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Seit der Stampara 15 Jahre alt ist, zieht es ihn raus. Er liebt es, durch München zu strawenzeln. Bei jedem Wohnungswechsel, sieben sind es bis jetzt, entdeckt er die Stadt neu. Am liebsten abends. Im Sommer. Wenn das Nachtleben so langsam beginnt. Als Künstler war er schon immer Teil davon. Während andere ihren Feierabend starten, macht er sich auf den Weg zur „Arbeit“. Warum er „Arbeit“ in Anführungszeichen setzt? Weil es für ihn meistens keine wirkliche Arbeit ist. Sondern Spiel. Bezahltes Spiel. Aktuell ist Ostern. Seit einigen Wochen sieht die Welt jedoch im wahrsten Sinne des Wortes anders aus.
Frühling 2020. Die Natur wacht auf. Das Münchner Stadtleben schläft ein. Corona. Wie lange? Das weiss niemand. Auch nicht Drosten. Na gut, ein wirklich tiefer Schlaf ist es nicht. Eher ein Dösen. Der Englische Garten ist voller kleiner Grüppchen, die von der Polizei aufgebrochen werden. Werden sollen und auch müssen. Im Luitpoldpark, an der Isar, beinahe überall sind die Leute gemeinsam einsam. Die Münchner wollen nunmal raus. Lagerkoller. Aber selbst die, die Mundschutzmasken tragen, drängen sich streifend an einem vorbei. Um noch die letzte Packung Nudeln oder Klorollen zu greifen. Ein falsches Gefühl von Sicherheit lässt sie kühn und zum hortenden Nagetier werden.
Auch merkt man jetzt, wie sehr man die Möglichkeit vermisst, in die Wirtschaft, Bar oder ein Restaurant zu gehen. Kino, Theater, selbst Minigolf, alles ist abgeriegelt. Dabei geht es nicht immer darum, diese Dinge auch zu tun. Es geht darum sie tun zu können. Der Münchner verliert seine Freiheit. Und das passt ihm gar nicht. An den Flaucher wird man doch wohl noch dürfen. Mit der U3. Oder dem Auto. Kleine Runde Grillen, ein paar Augustiner. Oder Giesinger und dann doch eh wieder Heim. Was soll das schaden?
Ja, was soll das schaden. Vielleicht gar nichts. Vielleicht kostet es aber auch einen Menschen das Leben. Einen Menschen, der alleine in Isolation in einem Krankenhaus liegt. Ein Leben, das im schlimmsten Fall innerhalb weniger Tage endet. Wegen einer halb verkohlten Bratwurst und einem lauwarmen Hellen im Freien.
Falsche Einstellung. Nicht jetzt. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Ob nach Ostern wie durch ein Wunder die Normalität wieder aufersteht? Wohl kaum. Des ziagt si no. Oba mia ham ja Netflix.
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