Tischzauberei – Das große Geheimnis

Tischzauberei – Das große Geheimnis

Tischzauberei – Echte Arbeit, echte Interaktion

Die Tischzauberei ist bei Neulingen eher unbeliebt. Wer mal von der Zauberei leben möchte, will -so scheint es- gleich auf die Bühne. Hunderte Leute sehen einen. Applaudieren. Von Tisch zu Tisch gehen, immer wieder kleine Gruppen ansprechen und begeistern, wirkt dagegen wie harte Arbeit. Und das stimmt auch. Aber nirgends hat man als Zauberer mehr Möglichkeiten, neues Material zu testen und es zu perfektionieren. Wie ich schon oft geschrieben habe, trete ich seit gesamt mehr als sechs Jahren regelmäßig in verschiedenen Restaurants in München auf. Dadurch kann ich mich jetzt auf ein Repertoire verlassen welches ständig wächst, aber auch sogenannte „Worker“ beinhaltet. Das sind Routinen, die immer funktionieren. Egal wie die Ausgangslage wirkt. Jeder Profi hat ein Set mit solchen Effekten. Garantiert.

Das große Geheimnis…

Die besten Zauberkünstler haben alle eine Sache begriffen, die sie vom Gros anderer Kollegen unterscheidet. Soziale Kompetenz, neudeutsch „social skills“. Das ist das große Geheimnis. Wirklich. Es gibt erfolgreiche Zauberer, die gänzlich unbekannt sind, aber genug Jobs haben, um davon leben zu können. Warum? Ganz einfach. Diese Menschen verstehen es zu networken. Sie verstehen, dass es wichtig ist, auf der persönlichen Ebene zu punkten. Als Beispiel: Zu oft erlebe ich, dass Magier sich bei einer Vorführung nicht ein mal den Namen des Zuschauers merken. Online gibt es ein Video, und ich werde es hier nicht posten, bei dem eine Münzroutine zu sehen ist. Der Zauberer spult dabei diese Routine nur ab, blickt in die Ferne. Ist nicht anwesend im Hier und Jetzt. Absolut furchtbar! Das Thema social skills wird uns in diesem Blog sicher noch einige Zeit begleiten. Es ist nunmal wahnsinnig komplex. Da ich jedoch schon mal ein paar Ideen mit euch teilen möchte, um eure Aufritte schlagartig zu verbessern:

Meine kleine Top 5 der Dinge, die Tischzauberer beachten müssen:

  1. Merkt euch die Namen eurer Zuschauer, nehmt euch dafür Zeit
  2. Haltet Blickkontakt mit allen (das Buch „Tamariz – Five Points in Magic“ unbedingt ansehen!)
  3. Stellt euch richtig vor, schüttelt Hände, fragt nach woher sich alle kennen
  4. Lasst Witze zu, lacht mit und nehmt sie vielleicht sogar in euer Programm mit auf
  5. Zaubert nicht, sondern kommuniziert

Was diese einzelnen Punkte im Detail bedeuten, werden wir uns die nächsten Wochen und Monaten genauer ansehen.

Wie wird man professioneller Zauberkünstler?

Wie wird man professioneller Zauberkünstler?

Das Ziel: Professioneller Zauberkünstler werden

Das ich einmal Zauberkünstler werden sollte war mir lange nicht klar. Ich fand die Zauberei langweilig, kannte sie nur aus dem Fernsehen. Männer die Frauen im Apparate stecken und zerlegen. Bis ich David Blaine entdeckte. Ich war gerade 18 Jahre alt und leistete meinen Zivildienst, als ich ein sein erstes Street Magic Special im Internet entdeckte. Was Blaine zeigte war Close-up Magie. Keine Boxen, keine Tänzerinnen, kein Kitsch. Da ich im „Zivi“ Zeit hatte, galt meine volle Aufmerksamkeit ab diesem Moment dieser Form der Magie.

Street Magic

Manche Firmen erkannten den neuen Trend Magie vorzuführen und verkauften Lehrvideos. Dass aber an dieser Art der Vorführung wenig Neues war, wusste jeder innerhalb der Magierszene.

Von diesem Video lernte ich jedoch meinen allerersten Kartentrick. Bei diesem Effekt fand der Zuschauer selbst die vier Asse. Kaum gelernt, führte ich ihn meinen Freunden vor und erlebt zum allerersten Mal diese Reaktion von der Zauberer immer reden. Kindliches Staunen. Lachen. Wundern. Kurz darauf kaufte ich mir mehr Material aus Zaubershops.

Die Zaubershops

Jeder professioneller Zauberer wird es bestätigen können: Zaubern geht ziemlich ins Geld. Man verbraucht Unmengen an Kartenspielen, benötigt Lehrbücher, besucht Seminare und zahlt ggf. auch Mitgliedsgebühren beim ortsansässigen Zauberzirkel. Kurzum: Ich musste Geld verdienen. Also beschloss ich Fotos zu machen und mir eine Homepage bauen zu lassen. Mein Zivildienst hatte zu dieser Zeit bereits ein Ende gefunden. Ich saß daheim und wartete auf Anrufe. Oder zumindest eine Email. Ich wartete lang. Sehr lang. In der Zwischenzeit hatte ich einen Nebenjob im Kartenverkauf der Bayerischen Staatstheatern gefunden. Dort arbeitete gleichzeitig witzigerweise ein Kollege, mit dem ich Jahre später zusammen auftreten würde. Ich wusste nicht, dass er auch zauberte.

Mit nur einem einzigen Auftritt der mehr schlecht als recht lief, musste ich etwas unternehmen. Also schrieb ich alle möglichen Restaurants und Bars in München an. Ich hatte Christian Knudsens CD zum Thema Restaurantmagie gehört und war motiviert. Jedoch bekam ich nirgends Rückmeldung. Nirgends. Das heisst, das stimmt nicht ganz. Eine Email erreichte mich. Sie entstammte dem NEKTAR. Dort trat ich vier ganze Jahre lang auf und lernte, meine Nummern unter allen erdenklichen Bedingungen. Als das NEKTAR den Geschäftsführer wechselte, mussten wir Künstler unser geliebtes Erlebnisrestaurant zurücklassen.

Dranbleiben

Ein guter Freund von mir meinte immer: Der Weg zum professionellen Zauberer ist ein Nummerspiel. Wenn du lang genug dabei bist, dann wird es schon klappen. Ich persönlich bin aber der Meinung, dass man zusätzlich auch gewisse Voraussetzung in sich tragen sollte. Talent, Fleiß, Spaß am Üben und etwas Geschäftssinn. Diese Punkte sind jedoch keine Garantie, dass man Erfolg haben wird.

Ich blieb also dran, trat weiterhin auf. Bei einer Firmenfeier landete ich dann schießlich in dem Laden, der seit über drei Jahren mein wöchentliches zu Hause ist. Dem HERZOG. Jede Woche zeige ich dort neue Effekte, treffe Leute, kommuniziere, networke und verblüffe. Mit jedem Auftritt gewinne ich neue Kunden mit hinzu. Aktuell, wir haben Januar, stehen bereits viele neue Projekte an, die durch meine Auftritte in diesem Restaurant angekurbelt wurden. Also, dranbleiben, nicht aufgeben. Der Weg ist nicht leicht und keiner gibt einem genau diesen vor. Allen, die nach mir kommen: Viel Glück!

Podcast #7 – Dani DaOrtiz

Podcast #7 – Dani DaOrtiz

Dani DaOrtiz in München – ein kleiner Seminarbericht

Dani DaOrtiz ist ein Zauberkünstler, den man innerhalb der Szene nicht vorstellen braucht. Als Schüler des großen Juan Tamariz versteht Dani es wie kaum ein anderer, die Techniken der Kartenmagie so perfekt psychologisch zu verstecken. Und wie gut er wirklich ist, sollten die Teilnehmer und Zuschauer von Seminar/Show am 07. September 2019 selbst erleben.

Die Spanische Schule

Kaum betrat Dani den Raum brach dieser in sofortigen Applaus aus und die Stimmung schoss von Null auf Hundert. Einen ausführlichen Bericht kann man in der neuen „Magie“ lesen. Aber so viel sei verraten: Ständig wurden Kartendecks von den Zuschauern ausgeliehen. In ganzen vier geliehenen Spielen fand sich eine und die selbe umgedrehte Karte. Obwohl jeder der festen Überzeugung war, dass Dani DaOrtiz die Kartenspiele nicht bzw. kaum berührte. Man hatte das Gefühl, dass die Magie einfach so geschah. Ohne Zutun des Magiers. Die Spanische Schule eben.

Chaos als Methode

Von zerissenen Karten zu Any Card at Any Number – jeder Trick bekam den DaOrtiz Touch und wurde somit noch unmöglicher. Auffällig war dabei das scheinbare Chaos, welches insgeheim geplant und perfekt inszeniert war. Dieses Chaos, das jede Form von Methode und Tricktechnik verstecken konnte. Man wusste es wirklich zu schätzen was Dani bei seinen Tricks alles bedachte, als er das WIE und WARUM erklärte. Man sieht eindeutig Tamariz‘ Handschrift.

Mein persönliches Highlight

In der Hotelbar ging es im Anschluss an das Seminar für einige wenige noch weiter. Nachdem ich zusammen mit einem guten Freund Nurmagomedows Sieg ansah, gesellten wir uns noch zum Rest. In diesen ca. 2h zeigte Dani DaOrtiz warum er eine lebende Legende unter Kartenkünstlern ist. Ich möchte über keinen einzigen Trick reden, den ich in der Lobby des Hotels noch erleben durfte. Nur eins möchte ich sagen: Ich hoffe, er veröffentlicht noch einiges an Material. Dieser Mann hat mehr als ein Ass im Ärmel.

 

Auch einen ganz lieben Gruß an dieser Stelle an meine alten und an diesem Tag neu gewonnenen Freunde. Bis zum nächsten Seminar.

Achja, und wer von Kartentricks nicht genug kriegt, der klickt einfach mal HIER

Podcast #6 – Neue Kartentricks finden

Podcast #6 – Neue Kartentricks finden

Kartentricks

Kartentricks sind die Poesie der Magie. Das sagte zumindest der Zauberer Hofzinser. Und tatsächlich beherrschen auch die meisten Laien den einen oder anderen. Wenn ich nur jedes Mal einen Euro bekommen würde, wenn bei einem Auftritt jemand selbst einen zum Besten geben will 😉 Wenn man bedenkt, dass es Kartentricks wie Sand am Meer gibt wirkt es auf den ersten Blick verrückt, dass Privatleute immer die selben zwei, drei Tricks kennen. Dafür gibt es jedoch einen guten Grund. Kartentricks sind schwer. Man muss üben. Richtig viel, täglich, ständig. Wie ein Pianist müssen Kunststücke einstudiert und Kartengriffe geübt werden. In der Bar mit Restaurant in dem wöchentlich auftrete gibt es viele Stammkunden. Was auch bedeutet, dass die meisten meine Tricks schon ein mal gesehen haben. Also muss neues Material her. Aber wo findet man so etwas.

Hier der großartige Derren Brown mit einem Kartentrick, der auf einem Klassiker basiert:

Bücher vs DVDs

Es gibt Zauberer (Profis und Amateure), die würden Bücher noch nicht mal für Geld anfassen. Sie lernen ausschließlich von DVDs, manchmal sogar noch immer von uralten VHS Kassetten. Betamax eher nicht 🙂 Traurig. Denn Betamax war… nein… Bücher sind die absolut beste Quelle um sich wirklich mit der Zauberkunst zu beschäftigen. Es gibt einen Spruch, der lautet: Möchtest du ein gutes (Trick-)Geheimnis für dich bewahren, dann verstecke es in einem Buch. Wahrscheinlich hat es aber auch mit dem Zeitgeist zu tun. Statt darauf zu warten, dass etwas im Fernsehen kommt streamen wir on demand. Wir warten nicht auf den Postboten, sondern bestellen per Express Lieferung für den selben Tag. Wir überlegen uns nicht, wie ein in einem Buch beschriebener Trick aussehen könnte (die eigene Phantasie entwickelt oft ganz neue Methoden), sondern wir lassen es uns in kleinen Häppchen vorkauen. 

DVDs haben seine absolute Berechtigung und ich denke, dass die Mischung aus beiden Medien optimal ist. Aber Bücher bleiben die Nummer 1. Es gibt unzählige Bücher über Kartentricks. Die Aufgabe eines Zauberer liegt oft darin, sich mit einem dicken Wälzer (Cardially Yours von Marlo zum Beispiel) hinzusetzen und alte neue Kartentricks zu entdecken. Das ist zwar zeitaufwändig, macht aber auch eine Menge Spaß. Eine solche Entdeckung dann irgendwann in sein Programm mit einzubauen und Leute zu unterhalten gehört zu den erfüllendsten Seiten der Zauberkunst. Also, lest!  

Podcast #5 – Showscript

Podcast #5 – Showscript

Warum ein Showscript so wichtig ist

Ein Showscript wird von jedem berühmte Zauberer benutzt. Von Copperfield bis Derren Brown. Selbst David Blaine, dessen Stil eher improvisiert und dessen Worte zufällig wirken. Denn egal wie gut ein Künstler ist, braucht er Struktur und einen genauen Plan wo die Show hingeht.

Wie schreibt man so ein Script?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich an ein persönliches Showscript heranzuarbeiten. In seinem Buch „Scripting Magic“ beschreibt Pete McCabe eine unter Zauberern sehr beliebte Herangehensweise. Man nimmt sich selbst beim Vorführen eines Effektes auf und spricht einfach frei, was einem gerade einfällt. Hinterher hört man sich diese Aufnahme an und bringt sie in Textform. Danach muss man das enstandene Showscript anpassen. Kürzen, „ähs“ und „hmmms“ herausnehmen. Zu guter Letzt wird das Script dann vor Publikum getestet. Oftmals stellt man fest, dass gewisse Sätze nicht so gut funktionieren. Oder ein Zuschauer brachte einen witzigen Spruch, der super in den Text passt. Es ist ein langer Weg, vor allem wenn man jeden einzelnen Effekt so durchgeht. Am Ende hat man dann jedoch eine perfekt gescriptete Show, die fließt und im richtigen Moment die gewünschten Emotionen hervorholt.

Artikel für Zauberer: Neue Zaubertricks testen

Artikel für Zauberer: Neue Zaubertricks testen

Neue Zaubertricks testen

Ganz egal ob Ihr Profis oder Hobbyisten seid, neue Zaubertricks zu testen ist immer unangenehm. Ich kenne einige Kollegen, die genau aus diesem Grund nur selten an ihrem Repertoire arbeiten und es verändern. Es ist nun mal bequemer alt eingespielte Tricks vorzuführen.

Seit fast genau einem Jahr habe ich ein wöchentliches Engagement im Münchner Restaurant HERZOG. Es gibt keinen besseren Ort, um an dem eigenen Close-up Programm zu arbeiten. Stammgäste „zwingen“ einen förmlich durch immer wieder neue Zaubertricks zu begeistern. Man kann ja nicht ständig das selbe vorführen. Das bedeutet jedoch für mich, dass ich jederzeit eine handvoll neuer Effekte und Tricks in Vorbereitung haben muss. Gerade arbeite ich zum Beispiel an einer Münzroutine (von Gary Kurtz), Routinen mit ITR, und dem Rubik’s Cube. Nebenbei such ich in Zauberliteratur nach neuen Effekten und Ideen und scripte meine Nummern.

Das erste Mal…

… tut immer weh. Ganz egal wie viele Stunden man einen neuen Trick vor dem Spiegel geübt und einstudiert hat. Beherrscht man ihn in den Proben zu 100%, vor echtem Publikum sinkt diese Zahl auf 20%. Man kennt den Trick noch nicht so gut, weiss nicht was passieren und wie man reagieren kann. Das alles kommt erst durch Erfahrung und Routine. Um neue Zaubertricks schnellstmöglich erfolgreich zu integrieren und diesen Weg etwas abzukürzen, hier drei kurze Tipps:

  • Eröffne nie mit einem neuen Trick

Der Standup Comedian Jerry Seinfeld beginnt seinen Auftritte niemals mit einem neuen Stück. Es erzeugt Unsicherheit und zerstört ein Programm komplett, falls es schief geht.

 

  • Baue den neuen Trick zwischen Eingespieltem ein

Selbst wenn der Trick später mal als Opener gedacht ist, gehört er zu Beginn seiner Karriere nicht an den Anfang. Hat man sich als guten Zauberkünstler bereits etabliert, ist es nicht so schlimm, wenn mal etwas schief geht. Darum gehören neue Effekte zwischen altbekannte und eingespielte Routinen, auf die man sich verlassen kann. Wichtig auch: Beende dein Programm nicht mit neuem Material!

 

  • Mache dir Notizen nach der Show

Wie oft malt man sich aus, wie großartig die Publikumsreaktion auf neue Effekte sein wird. Und kaum hat man die ersten paar Vorführungen hinter sich, ist man unzufrieden. Neue Zaubertricks kommen am Anfang nie so gut an, wie erhofft. Du musst dir die Momente im Trick erst erarbeiten und sie erforschen: Wo gibt es Lacher? Wo sind zu lange Pausen vorhanden? Wie kann ich gewisse Stellen schneller, direkter, magischer machen? Gab es für die Zuschauer Unklarheiten? Nach jeder Show weiß man mehr. Schreib darum unbedingt alle deine Beobachtung auf. Ich habe immer ein kleines Notizbuch bei mir und gehe nach dem Auftritt im Hotel oder zu Hause den Auftritt erneut kurz durch.